Warnemünder Woche 2026 – Topcat IDB 2026, wirklich?
Um es kurz zu sagen: Es war geiles Segeln, starker Wind mit mächtigen Wellen!
Ostsee-segeln ist cool, nicht nur die Katsegler aus dem CSCM, die dort immer öfter Touren segeln, sondern auch für Regattasegler. Und so hatte ich meinen Topcat K3 auf manage2sail schnell gemeldet, denn die hervorragenden Bedingungen auf der Travemünder Woche 2025 hatten mich für die Ostsee begeistert.
Aber was passiert? Egal wie oft ich auf manage2sail nachsehe, über die Wochen und Monate steigen die Meldezahlen für die drei Topcat-Klassen nicht wirklich! Für die einen ist es mal wieder zu weit, zu weit im Norden – und dann kommt nach Meldeschluss noch der Hammer-Wind dazu, den Windfinder und andere Apps für die ganze Woche 04.-12. Juli 2026 zuverlässig vorhergesagt haben.
Für die Internationale Bestenermittlung (IDB) der drei Topcat-Klassen K1, K2/K2X, K3/K3X, vom 04.-06.07.2026 sind nur 18 Katamarane gemeldet, und am Ende sind 5 Kats nicht angereist … wegen zu viel Wind!? Wahrscheinlich kommt vieles zusammen, auch dass am vorherigen Wochenende eine attraktive Regatta stattgefunden hat, am Walchensee, südlich von München.
Aber wir sind zum Segeln in Warnemünde und wollen das Revier kennenlernen, das Berlin in die nationale Olympiabewerbung einbezogen hat. Auch andere Seglerinnen und Segler aus dem Revier in IlCA 4 und ILCA 6 (SGaM, YCBG) sind bei der Warnemünder Woche schließlich dabei, und der YCBG sogar als Mitveranstalter. Also am Freitag, 03.07. bei richtig böigem Wind bis zu 34Kn auf der Trailerwiese aufbauen – bloß nicht am wellengeschützten Strand der Hohen Düne, da sollen wir eigentlich liegen und wassern, aber der Wind ist so stark, dass fast die Strandkörbe wegfliegen.
Segeltag 1/04.07.: Die Wettfahrtleitung zieht an Land AP für den ersten Start und will statt 12:30 Uhr um 15:00 Uhr starten. Um 13:00 Uhr werden schon die ersten Kats zum Strand geschoben, als ich vom Mittagsimbiss zurückkomme. Das Startschiff auf der nahen Bahn H (Hotel) habe ich mit halbem Wind schnell erreicht, aber P ist schon gezogen und die Zeit läuft – also wieder hinter dem Feld her.
Erst auf der Startkreuz kann ich mich einsegeln und ein Gefühl für Wind und die irren Wellenbilder entwickeln. Und da passiert’s – die Spinlock-Klemme für die Travellerschot hält nicht mehr, ob mit Samthandschuhen in der Wende oder mit Fußtritt am Wind behandelt, sie hält einfach nicht mehr. Wind und Wellen verlangen alles ab und nach wenigen Minuten muss ich den Travellerwagen komplett nach Lee laufen lassen. Großartig, die Höhe ist weg, jetzt kann ich nur noch mit offenem Segel halbwind segeln. Jetzt ist zwar ordentlich Power im Segel, aber so komme ich doch nie ans Luvfass! Schon geil, wie konzentriert sich der K3 mit offenem Traveller durch und über die ca. 1,4m hohen Windwellen segeln lässt. Aber, einen K3X kann ich unterwenden und in die Gegenwende zwingen; tut mir ja leid, dass er frustriert aufgibt. Aber kaum zu glauben, der führende Matthias Horstmann mit seinem K3X ballert mit Gennaker gleichschnell mit den K1 und K2 ins Ziel. Die 2-er Kats kentern alle, nur ich geige langsam, aber sicher nur unter Groß ins Ziel – schlecht für die Wertung, denn ich habe das 10-Minuten-Zeitlimit nach dem ersten K3X verpasst, d.h. DNF! Natürlich sackt jetzt der Adrenalin-Spiegel in sich zusammen und so meine Konzentration, denn die Kenterung bei der Halse nach dem Zieleinlauf hätte nicht sein müssen – und war auch meine einzige in der ganzen Serie.
Die vielen Begleitboote (2 x Jury, 3 x Wettfahrleitung, 2 x Wasserwacht) haben prima abgesichert und waren sofort auf Stand-by – auch die Anker von Wendemarken und Startschiff haben gehalten. Die Wettfahrtleitung schickt uns trotzdem an Land zurück, auch wenn es nur wenig Bruch und keinen Körperschaden gegeben hat. Eine zerrissene Fock, ein durchgestiegenes Großsegel, ein vollgelaufener Rumpf und ein gerissenes Vorstag, das ist für die Bedingungen nicht unüblich, aber nicht der Rede wert. Nur meine Spinlock ist natürlich eine Katastrophe und hat viele Wenden zum Desaster werden lassen.
Segeltag 2/05.07.: Die Wettfahrleitung entscheidet nach dem DWD-Briefing, dass die Topcat bei vorhergesagten 21-26Kn Grundwind und Böen über 30Kn nicht auf die Bahn geschickt werden – das bringt zwangsläufig einen Bastel- und Ruhetag ein. Jetzt kann ich an meine Spinlock ran und unser Topcat-Oberbastler meint, dass schmieren hilft, denn bei weniger Wind hält die Klemme tadellos. Ob das ausreicht?
Segeltag 3/06.07.: Niemand abgebaut, es sind noch alle Kats da. Der Wind hat tatsächlich etwas nachgelassen und scheinbar sind auch die Wellen weniger geworden – trotz der mehr als 60 km Anlauf von Fehmarn bis Warnemünde. Um 11:30 Uhr ist Start, wenn wir an Land Flagge D richtig interpretieren. Heute heiß es Attacke für mich: Die Spinlock ist vorsichtig geschmiert, aber verdammt, ich habe meine Startuhr verlegt. Muss ich wieder mit Sicherheitsabstand hinter dem Feld starten und mich dann frei segeln?
Und so kommt’s, die Wende klappt, die gesegelt Höhe auch – und Bamm, die Travellerschotklemme macht wieder ganz auf. Diese Sch…-Klemme, ich kann die Travellerschot auf der Kreuz doch nicht immer aus der Hand fahren! Wie soll ich das nur durchhalten? Am Ende sind es drei Wettfahrten, mit Gennaker, immer im Zeitlimit, aber mit laaangen Unterarmen. Wir sind zum Segeln hier, nicht zum Aufgeben, und so kann ich als einziger K3 die letzte Wettfahrt mit breitem Grinsen abschließen. Insgesamt habe ich alle Wettfahrten ohne Kenterung durchgestanden, 7 Punkte gesammelt und mit viel Muskelkater Platz 2 auf dem Treppchen erklettert, hinter Matthias Horstmann mit seinem K3X und 4 Punkten (je mit Streicher). Aber war das eine IDB?
Wunderbare Segeltage, physisch stark fordernd und voller neuer Erfahrungen im Segelrevier Warnemünde gehen mit 4 Wettfahrten zu Ende. Die Topcat-Gemeinschaft hat sich über die drei Klassen hinweg wieder von der besten Seite gezeigt und ein begeisterndes Segelerlebnis abgeschlossen.
Die Infrastruktur lässt sich noch verbessern, aber kurze Wege zu allen Bahnen und die typische lange Welle zeichnen das Revier vor Warnemünde für anspruchsvolle Wettfahrten aus. Und wenn uns dann noch so erfahrene Wettfahrtleitungen, wie unsere vom Yachtclub Bitterfeld e.V., bei dem traditionsreichen Event unterstützen, dann ist es bis zum Optimum kein ganz langer Schlag mehr.







E.H.